Gegen Ackerfuchsschwanz im Winter

22 Oktober, 2019

Seit vielen Jahre bereits nehmen die Probleme bei der Bekämpfung gegen Ackerfuchsschwanz zu. Deutschlandweit gibt es Regionen mit Besätzen von 500 – 1.000 Scheinähren/m² und mehr. Hinzu kommen Populationen, die auf verschiedene Gräserwirkstoffe nicht mehr reagieren. Dies beruht zum einen an einer Anpassung der Gräser an die vorhandenen Mittel, diese werden in den Pflanzen „abgebaut“ und zum anderen an einer Selektion natürlich vorkommender Gräser, die gegenüber den Wirkstoffen resistent sind, sogenannte Wirkortresistenzen. Diese Selektion ist zu einem großen Teil begründet in der wiederholten Anwendung gleicher Wirkstoffe.

Nicht alles ist Resistenz

Über die Möglichkeiten der Bekämpfung ist bereits viel diskutiert worden.  Diese Diskussion sollte nicht nur auf Problemstandorten Beachtung finden und dazu führen, neben dem Wirkstoffwechsel, alle Ansatzpunkte zur Wirkungsverbesserung und Reduzierung des Ackerfuchsschwanzbesatzes wie Scheinsaatbett, Saattermin, Fruchtfolge, Bodenbearbeitung und Spritzfolgen zu nutzen. Die Spritzfolgen lassen den Einsatz von Bodenwirkstoffen wie z.B. Franzi® Complett, Carmina®640 oder Saracen® Delta Pack und blattaktiven Mittel z.B. Sword® zu den entsprechenden optimalen Zeitpunkten zu. Diese ergänzen sich hinsichtlich der Wirkung auf unterschiedlich sensible Ungraspflanzen. Voraussetzung dafür ist, dass beim Ackerfuchsschwanz noch eine Sensibilität vorliegt. Nicht immer sind die Minderwirkungen gleich Resistenzen. Oftmals ist es der Einsatzzeitpunkt und die Bedingung unter denen die Mittel zur Anwendung kommen, die verminderte Wirkungsgrade begründen. Ebenso können ein ungünstig vorbereitetes Saatbett oder Wetterbedingungen die Wirksamkeit der Boden- oder später der blattaktiven Mittel verringern.        
Nicht zuletzt ist das Auflaufverhalten der Ackerungräser in Betracht zu ziehen. Ackerfuchsschwanz beginnt vor der Getreidesaat aufzulaufen, nach der Saat kommen weitere Pflanzen, in der Regel der größte Anteil, hinzu. Der Auflauf zieht sich durchaus über die Wintermonate bis ins Frühjahr hinein. Begünstigt wird dieses durch die in den vergangenen Jahren zunehmend zu beobachtende Verlängerung der Vegetationsperiode. Der Winter, wenn er überhaupt als solcher bezeichnet werden kann, kommt später und die Vegetation geht früher in die Wachstumsphase. Vegetationsruhephasen über mehrere Wochen sind scheinbar vorbei. Hinsichtlich der Resistenzproblematik sind alle Aufläufer konsequent zu regulieren.

Zur Vegetationsruhe

Ab Zweiblattstadium ist die Wurzel des Ackerfuchsschwanzes so tief, dass Bodenmittel nur noch eingeschränkt wirken

Kurz vor Ende der Vegetation bietet sich häufig nochmals die Gelegenheit mit blattaktiven Wirkstoffen z.B. Clodinafop im Sword® zu fahren. Oft fällt dieser Zeitpunkt zu Anfang Dezember und wird als „Nikolausspritzung“ bezeichnet. Es ist ebenso möglich mit einer Anwendung vor Start der Vegetation ausgangs des Winters gegen den Ackerfuchsschwanz vorzugehen. Beide Applikationen haben gemein, dass der Ackerfuchsschwanz keinen oder nur einen verringerten Stoffwechsel hat. Damit können diese Typen den blattaktiven Wirkstoff, z.B. Clodinafop im Sword® kaum „verstoffwechseln“. Positiv ist ebenso eine hohe Luftfeuchtigkeit in diesen Zeitphasen, die die Wachsschicht aufweicht. Es kann nach leichten Nachtfrösten, auch wenn Reif auf den Pflanzen liegt, appliziert werden. Die Düsen müssen frostfrei bleiben, wenn bei geringem Tagfrost gefahren werden soll.  Hier gibt es bereits Tests mit Blattdüngern, die den Gefrierpunkt der Lösung senken. Entscheidend dabei ist, ob die Wirksamkeit der eingesetzten Graminizide nicht beeinträchtigt wird. Landwirte, die im Raps mit Propyzamid haltigen Mitteln zur Vegetationsruhe im Raps gegen Gräser arbeiten, kennen diese Bedingungen. 

Wirkungsweisen kombinieren

Wenn die Regulierung des Ackerfuchsschwanzes im Herbst bis vor Weihnachten nicht erfolgt, wird dieser bei einem milden Winter weiterwachsen und entsprechend entwickelt in das Frühjahr gehen. Nebeneinander bestockte Ackerfuchsschwanzpflanzen, andere die kurz vor der generativen Phase stehen, wie auch Nachaufläufer im Ein- bis Dreiblattstadium können die Folge sein. Hier kommen die im Frühjahr eingesetzten Pflanzenschutzmittel schnell an ihre Leistungsgrenzen.
Mit einer Spritzfolge bis in das Frühjahr hinein, ist es möglich, die unterschiedlichen Wirkungsweisen der Mittel zu kombinieren. Ein Wirkstoffwechsel ist dabei machbar: im Herbst im Vorauflauf und oder mit Spitzen des Getreides zu BBCH 10 – 12 mit Mitteln der HRAC-Klassen N, K3 und C2, gefolgt von z.B. Sword® aus der HRAC Klasse A um den Zeitpunkt vor Beginn der Vegetationsruhe sowie im Frühjahr bei Bedarf mit den Mitteln aus der HRAC Klasse B.         
Mit einer „Nikolausspritzung“ oder noch zur Vegetationsruhe im Frühjahr mit blattaktiven Gräsermitteln kann unter Beachtung des Resistenzgedankens wirkungsvoll die Ackerfuchsschwanzpopulation kontrolliert werden.    


Torsten Mörstedt arbeitet seit 2008 bei der Nufarm Deutschland GmbH und ist als Customer Marketing Manager und als Regionalleiter Kurhessen im Team Süd tätig.