Unkrautbekämpfung anpassen

4 Februar, 2020

Im Getreide auf die veränderten Bedingungen reagieren

Blühender Ehrenpreis im Raps

Noch ruhen die Arbeiten auf dem Acker. Zeit sich auf das Kommende vorzubereiten. Das vergangene Jahr wie auch die davor zeigen, dass sich meteorologisch etwas bewegt. Die Vegetationsperiode ist länger geworden. Wir kommen früher aus dem Winter und gehen in diesen später rein. Und als Winter kann man in großen Teilen von Deutschland, diesen kaum noch bezeichnen.
Andauernde Vegetationsbedingungen lassen auf den Feldern Unkräuter und Gräser nicht zur Ruhe kommen. In Winterrapsbeständen blühen beispielsweise in günstigen Lagen sehr zeitig Ehrenpreis und Co.

Und eine Kontrolle der Felder im Frühjahr aufblühende Pflanzen ist vor dem Einsatz von B1-Insektiziden gegen die Rapsschädlinge zwingend nötig. Um die Effektivität der Insektizidbehandlung im Raps sichern zu können, können diese Frühblüher innerhalb der Fruchtfolge insbesondere im Getreide reguliert werden.

 

Boden- und blattaktiv zum Vegetationsstart

Es tut sich was auf dem Feld

Im Getreide kann gezielt gegen Ehrenpreis, Stiefmütterchen und Taubnessel und andere vorgegangen werden. Es gilt zudem: Kommen die Frühblüher weit entwickelt aus dem Winter, blühen sie ebenso zeitiger. Das kann dann den Wirkungsgrad der Herbizide mindern. Zudem wird der Einsatz von blattaktiven Herbiziden oft hinausgezögert, um später auflaufende Unkräuter und Gräser zu erfassen. Mit fortschreitender Entwicklung der Kultur erhöht sich allerdings der Bedeckungsgrad der Kulturpflanze gegenüber dem Unkraut und verringert die Zielfläche für das Herbizid.

Des Weiteren rückt der für das Mittel letztmögliche zugelassene Einsatzzeitpunkt immer näher, und das Risiko auf Grund von ungünstiger Witterung den optimalen Einsatzzeitpunkt zu verpassen, wird größer. Eine Frühjahrsbehandlung im Getreide mit Beginn der Vegetation, könnte hier bessere Wirkungsgrade verzeichnen. Dies setzt gleichzeitig blatt- und bodenaktive Substanzen im Herbizid voraus. Wirkstoffkombinationen aus dem stark über den Boden wirkendem Diflufenican (DFF) sind hier hervorzuheben. DFF in Mischung mit Metsulfuron, das vorwiegend blattaktiv ist, kann als Herbizid Alliance® oder im Pack als Alliance® Max bereits zu Vegetationsbeginn eingesetzt werden. Alle Gräsermittel sind mit diesen breit wirksamen Herbiziden mischbar ebenso AHL. Einige Graminizide wirken weiterhin auf Unkräuter. Jedoch bestehen bei Stiefmütterchen, Taubnessel und Ehrenpreis häufig Wirkungslücken auch auf Doldenblütler wie beispielsweis Hundskerbel. Diese lassen sich mit Alliance® als Mischpartner schließen. Mit Saracen® Delta kann etwas schmaler ebenso DFF gegen Ehrenpreis, Storchschnabel und Co. sowie später auflaufenden UK früh eingesetzt werden. In Kombination mit Florasulam ist die blattaktive Wirkung auch gegen die bereits aufgelaufenen Unkräuter wie Klettenlabkraut und Kamille gegeben.

 

Gezielt gegen die Spätaufläufer

Der frühe Einsatz von Herbiziden mit Bodenkomponenten im Getreide hat eine gute Wirkung auf die allgemeine Verunkrautung, auf Spätverunkrautung mit Ackerkratzdistel, Gänsefuß und Ackerwinde allerdings oft nur eine Nebenwirkung. Dies ist hinsichtlich der Bekämpfung dieser Unkräuter sogar als günstig zu betrachten, denn sie bilden genügend Blattmasse, wachsen mit dem Getreide hoch und können mit dem Wuchsstoff U-46® M bis zum Zeitpunkt BBCH 39 gezielt reguliert werden. Der Wuchsstoffeinsatz erfasst mit guten Wirkungsgraden ebenso Kornblume und Storchschnabel. Eine Möglichkeit bietet für diesen Zeitpunkt auch das Saracen® Max. Mit der Fertigformulierung von Florasulam und Tribenuron kann eine Spätverunkrautung bis BBCH 39 gezielt reguliert werden. In der Tankmischung mit U-46® M wird hierbei die Distelbekämpfung noch effektiver. Der Einsatz von Wuchsstoffen bringt nicht nur in der Spätbehandlung positive Effekte.  Eine Vielzahl an Sulfonylanwendungen im Frühjahr, teilweise sind zwei oder drei Sulfonyle oder mehr in Tankmischungen enthalten, kann beispielsweise durch Duplosan® Super entlastet werden. Mit Duplosan® Super, welches drei Wuchsstoffe beinhaltet, können die Lücken der Sulfonyle im Bereich Ehrenpreis, Taubnessel, Storchschnabel, Erdrauch und mehr geschlossen werden. Die Soloanwendung in allen Getreidekulturen ist ebenso eine Option. Sich an Veränderungen anpassen, diese nutzbar machen, beginnt mit dem Überdenken der bisherigen Strategie. Wirkstoffmanagement fing gestern an und geht mit dem Tun von heute weiter.

 

Torsten Mörstedt arbeitet seit 2008 bei der Nufarm Deutschland GmbH und ist als Customer Marketing Manager und als Regionalleiter Kurhessen im Team Süd tätig.