Behandlung von Spätverunkrautung im Wintergetreide

7 Mai, 2020

Die Beurteilung einer Nachbehandlung gegen Unkräuter hängt von der Unkrautart und Unkrautdichte ab. Der Hauptfokus ist hier – neben der Konkurrenz um Nährstoffe mit der Kulturpflanze – darin zu sehen, dass es bei der Ernte nicht zu Erschwernissen kommt.

Die Gründe für eine Nachbehandlung in BBCH 37/39 gegen bestimmte Unkräuter sind unterschiedlich. Zum einen werden in manchen Regionen in Deutschland mehr Herbstbehandlungen gefahren, zum anderen laufen Unkräuter in Wellen oder erst im April bzw. Mai auf und somit greifen blattaktive Herbizide bei Anwendungen im März nicht immer sicher.

Kletten-Labkraut

Im intensiven Ackerbau ist das Kletten-Labkraut das Unkraut, welches im späten Stadium gezielt nachbekämpft werden muss. Es ist stickstoffzehrend und sehr lichtbedürftig. Dies kann dazu führen, dass das Getreide überwachsen wird, dass es zu Lagergetreide kommt und auch den Mähdrusch behindern kann. Die Hauptkeimzeit von Kletten-Labkraut ist im Herbst (Oktober) und im Frühjahr (Februar bis April). Es läuft somit in Wellen auf. Selbst wenn eine erfolgreiche Herbstbehandlung durchgeführt worden ist, kann es zu einem Neuauflauf im Frühjahr kommen. Die Bekämpfungsschwelle liegt bei 0,1 Pflanzen je m2.

Für eine Frühjahrsbehandlung bis BBCH 39 eignen sich 25 g/ha Saracen® Max oder 0,7 l/ha Tomigan® 200 um Kletten-Labkraut im Getreidebestand in den Griff zu bekommen.

Klatschmohn

Der Klatschmohn ist aufgrund der leuchtend roten Blütenblätter wohl eines der auffälligsten Unkräuter im Getreide. Er ist zwar schön anzusehen, aber aus folgenden Gründen ein nicht zu tolerierendes Beikraut: Eine Pflanze kann bis zu 20.000 Samen bilden, die im Boden sehr langlebig sind. Dies führt zu einer massenhaften Vermehrung, was wiederum höhere Bekämpfungsmaßnahmen und Konkurrenz für nachfolgende Kulturen wie zum Beispiel den Raps und das Sommergetreide nach sich zieht.

Die Bekämpfungsschwelle liegt bei einem Deckungsgrad von 5 %, dies sollte durch Feldbegehungen genau kontrolliert werden, da auch bei einem geringen Besatz eine Behandlung sinnvoll ist um dem Aufbau des Samenpotentials entgegen zu wirken.

Für eine gezielte Bekämpfung von Klatschmohn zum Nachbehandlungstermin in BBCH 37/39 eignen sich 75 ml/ha Saracen® oder 25 g/ha Saracen® Max, auch in Tankmischung mit 1,2-1,4l U 46® M-Fluid zur gleichzeitigen Distelbekämpfung.

Kornblume

Durch die prägnanten blauen Blütenblätter ist die Kornblume neben dem Klatschmohn auch eines der auffälligsten und bekanntesten Unkräuter. In vielen Regionen hat die Kornblume wieder an Bedeutung gewonnen da, mit dem Wegfall von Isoproturon und der Zunahme der Flufenacet-Produkte im Herbst, nur noch wenige Produkte (v.a. Chlortoluron-haltige) eine starke Bodenwirkung gegen Kornblume aufweisen. Kornblumen keimen im Herbst und im Frühjahr. Eine Bedeutung als Konkurrent gegen die Kulturpflanzen haben meist die Herbstkeimer. Da die Samen aber bei 5 bis 25 °C keimen, können diese auch im Frühjahr noch auflaufen. Ein Teil der Samen der Kornblumen ist kurz vor der Getreideernte reif und fällt aus. Später aufgelaufene werden mitgedroschen und verunreinigen das Saatgut. Zusätzlich werden die Samen durch Verschleppung über Erntemaschinen weiterverbreitet.

Präparate mit den Wirkstoffen Tribenuron und Florasulam eignen sich für die Bekämpfung von Kornblumen. Aus diesem Grund sind 25 g/ha Saracen® Max (Florasulam + Tribenuron) das Mittel der Wahl zur Bekämpfung von Kornblumen in BBCH 37/39.

Acker-Katzdistel

Neben den samenbürtigen Unkräutern wie Kletten-Labkraut, Kornblume und Klatschmohn steht im Fokus einer Nachbehandlung in BBCH 37/39 auch das ausdauernde Wurzelunkraut Acker-Kratzdistel. Begünstigt wird das Aufkommen der Acker-Kratzdistel durch pfluglose Bodenbearbeitung, frühe Herbizid-Anwendungstermine und auch auf längerfristigen Stilllegungsflächen.

Da die Vermehrung hauptsächlich durch Wurzelausläufer oder abgetrennte Wurzelstücke von statten geht, ist es wichtig, dass man bei der Bekämpfung von Acker-Kratzdistel die komplette Fruchtfolge im Blick hat. Eine nachhaltige Bekämpfung erzielt man durch die Behandlung in BBCH 37/39 mit dem bewährten U 46® M-Fluid (1,4 l/ha). Gerade mit diesem vollsystemischen Wuchsstoff-Herbizid kann man eine Bekämpfung der Rhizomausläufer erzielen. Man sollte darrüberhinaus aber auch auf der Stoppel eine Behandlung mit 5 l/ha Kyleo® (2,4-D und Glyphosat) ins Auge fassen und auf Standorten mit starken Distelvorkommen einplanen, da in der Regel nur ein Teil der Distelrhizome ausgetrieben und mit Ausläufern an der Oberfläche zu sehen sind. Der „schlafende“ Teil der Disteln bekommt nicht immer ausreichend Wirkstoff ab und treibt dann erst nach der Stoppelbearbeitung erneut aus.

Versuch, Ernte 2018, Großhhohlbach (Hessen), Wintergerste (SU Ellen), Aussaat: 25.09.2017, Behandlung: 24.04.2018 (BBCH 37):


Zur Autorin:

Julia Rost ist seit 2014 bei der Nufarm tätig und war die ersten Jahre für das Versuchswesen und die Hotline verantwortlich. Seit 2016 ist sie Teil des Fachberater-Teams und betreut NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.