Umgefallenes Getreide kostet Erträge und Nerven

Wie man Erträge schützt und Lager verhindert

Dieses Jahr ist durch einen raschen Saisonstart gekennzeichnet. Die Getreidebestände wurden nach sonnig-wüchsigem Wetter gedüngt, worauf einige Niederschläge folgten. Die Temperaturen wurden allmählich milder und führten zur Weiterentwicklung der Bestände. Auch wenn die klimatischen Bedingungen sehr wechselhaft und wenig vorhersehbar sind, die Gefahr von Lagergetreide ist immer gegeben. Sortenwahl und bedarfsgerechte Düngung sind notwendig, jedoch allein kein Garant für stehende Bestände. Die durch umgefallenes Getreide entstandenen Ertragsverluste können zwischen 5 und 80 Prozent betragen. Lagergetreide bringt jedoch noch mehr Schwierigkeiten mit sich: Die Druschkosten erhöhen sich, da die Fahrgeschwindigkeit deutlich geringer und die Belastung für Maschine und Fahrer sich erhöhen. Zudem besteht die Gefahr des Auswuchses, welche enorme Qualitätsverluste verursacht.

Doch welche Maßnahmen eignen sich, wenn einmal das Getreide liegt?

Zu den gängigen Maßnahmen zählen:

  • Regelmäßige und intensive Pflege und Wartung des Schneidwerkes
  • Nutzung von Ährenhebern (12-15 Grad nach vorne geneigt), darauf achten, dass dieses das Erntegut anhebt und nicht beschädigt
  • Schneidwerk richtig positionieren, oftmals ist die Sturz-Einstellung die empfohlene Einstellung, hierbei konzentriert das Schneidwerk beobachten.
  • Haspelgeschwindigkeit = Fahrgeschwindigkeit
  • Nach Fahrten über Unebenheiten des Bodens (z.B. Maulwurfhügel) feuchte Erde vom Tisch räumen, sonst droht ein Schachtfuchs
  • Erntereihenfolge anpassen: An heißen Tagen nachmittags Lagerbestände abernten

Neben vorkehrenden Maßnahmen sind Faktoren wie die Sortenwahl, bedarfsgerechte Düngung und eine Wachstumsregler-Strategie als „Versicherung“ zu planen. Der Einsatz von Wachstumsregulatoren ist insbesondere in Hochleistungssorten bei hohen Qualitätsanforderungen zwingend notwendig.

Tipps:

Erste Wachstumsreglereinsätze mit Stabilan® 720 (CCC) werden bei entsprechenden Temperaturen in den nächsten Wochen appliziert. Stabilan® 720 (Chlormequat) gehört zu den frühen Gibbellerinsäure-Hemmern. Die Getreidepflanzen reagieren mit kürzeren Internodien in der Schoßphase. Azole, wie Tebuconazol, wirken im Übrigen relativ ähnlich. Wir empfehlen Stabilan 720 früh, vor der Streckung eines Internodiums zu spritzen, um je nach Aufwandmenge die nachfolgenden zwei bis drei Internodien einzukürzen und zu festigen. Durch die Wirkstoffaufnahme an den Haupttrieben wird die Apikaldominanz gebrochen, was dazu führt, dass sich Nebentriebe besser entwickeln. Dünne Bestände werden durch Stabilan 720 dichter, und wenn die Spritzung während der Bestockung erfolgt, wird die Triebentwicklung gleichmäßiger.

Der Übergang von BBCH 29 zu 30 bis 31 kann in frühen Sorten je nach Witterung und Standort sehr schnell gehen. Hier folgt die Behandlung mit späten Gibberllin-Synthese-Hemmern, wie dem Calma® mit dem Wirkstoff Trinexapac. Calma® wirkt besonders stark auf die Verdickung der unteren Internodien, wenn das Produkt zu BBCH 31 eingesetzt wird. Durch seine einzigartige E³-Formulierung wird dieser Wirkstoff sehr schnell aufgenommen und ist auch bei wechselhaften Wetter sehr zuverlässig. Die moderne E³- Formulierung ermöglicht es, im Sinne von weniger Chemie, auch mit weniger Wirkstoff standfeste Getreidebestände zu etablieren.

EMPFEHLUNGEN FÜR JEDE KULTUR

Camposan® Extra (Ethephon) – Ideal für den späten Einsatz, verhindert Ährenknicken.

Camposan® Extra ist der Wachstumsregler für den späten Einsatz. Es bewirkt eine Halmstabilisierung durch Verkürzung des Halmes, besonders der oberen Internodien, und eine Verdichtung der Zellwände im Stängelgewebe, wenn es im Zeitraum des intensiven Längenwachstums (i. d. R. bis Stadium BBCH 49) eingesetzt wird. Camposan® Extra reduziert auch das bei der Gerste gefürchtete Ährenknicken. Von allen Wachstumsreglern hat Ethephon die höchsten Temperaturansprüche von mindestens 14 °C und benötigt wüchsiges Wetter für eine sichere Wirkung.

 

FAZIT: Es gibt Maßnahmen, die den Umgang mit umgefallenem Getreide erleichtern können, jedoch äußerste Vorsicht und Präzision verlangen. Daher empfehlen wir eine nachhaltige Strategie inklusive Einsatz von Wachstumsregulatoren zur Schadensverhütung.

 

Matthias Kirchhof ist seit August 2020 Produktmanager bei der Nufarm Deutschland GmbH. Zuvor arbeitete Matthias Kirchhof im Marketing und Vertrieb von Pflanzenschutzlösungen und Smart-Farming Konzepten in mehreren Unternehmen.