Biostimulanzien sind Substanzen und Mikroorganismen, die natürliche Prozesse in Pflanzen und Böden gezielt unterstützen und aktivieren – ohne dabei als klassische Dünger oder Pflanzenschutzmittel zu wirken. Sie fördern das Wachstum, verbessern die Nährstoffaufnahme, stärken die Stresstoleranz und tragen zur Qualitätssteigerung von Kulturpflanzen bei.

Ob Algenextrakte, Huminsäuren, Aminosäuren oder nützliche Mikroorganismen – die Wirkungsweisen sind vielfältig und komplex. Auf dieser Seite finden Sie eine strukturierte Übersicht über die Herkunft, Eigenschaften und biologischen Effekte der wichtigsten Biostimulanziengruppen – fachlich fundiert, praxisnah erklärt.

Weizen, Grün Ähre

 

Biostimulanzien Definition

„Pflanzenbiostimulanzien enthalten Substanzen und/oder Mikroorganismen, deren Funktion es ist, nach Anwendung auf Pflanzen oder den Boden natürliche Prozesse zu stimulieren und dabei die Nährstoffaufnahme und -effizienz, die Toleranz gegenüber Stress sowie die Pflanzenqualität zu verbessern.“

 

Unsere Biostimulanzlösungen

Ausgangsstoffe für Biostimulanzprodukte

 

 

Vergleich der Biostimulanzien-Gruppen und ihrer Hauptwirkungen

Biostimulanzien-Gruppe Boden Nährstoff-
aufnahme
Wachstum Qualität Abiotischer
Stress
Resilienz gegenüber Krankheiten &
Schädlinge
Algenextrakte   🧲 🌱 🍎 🛡️ 🦠
Pflanzenextrakte     🌱 🍎 🛡️ 🦠
Huminstoffe 🌍 🧲 🌱 🍎 🛡️ 🦠
Aminosäuren & Peptide   🧲 🌱 🍎 🛡️ 🦠
Chitosane         🛡️ 🦠
Mikroorganismen 🌍 🧲 🌱   🛡️ 🦠
Anorganische Materialien 🌍   🌱   🛡️ 🦠

Algenextrakte

Algenextrakte sind einer der bekanntesten und am häufigsten eingesetzten Biostimulanzien in der modernen Landwirtschaft.

Sie werden aus verschiedenen Algenarten gewonnen, unter anderem aus:

  • Braunalgen (z. B. Ascophyllum nodosum)
  • Rotalgen
  • Grünalgen
  • Cyanobakterien

 

Inhaltsstoffe von Ascophyllum nodosum
Frische Algen bestehen zu 70–80 % aus Wasser. Die Trockensubstanz (TS) enthält:

  • 40–70 % Kohlenhydrate (z. B. Alginate, Laminarin, Mannitol)
  • 15–30 % Mineralstoffe
  • 3–10 % Proteine
  • 4–8 % Polyphenole
  • 2–4 % Fette

Diese Inhaltsstoffe – insbesondere die enthaltenen pflanzlichen Hormone wie Auxine, Cytokinine und Gibberelline – sind maßgeblich für die biostimulierende Wirkung verantwortlich.

 

Wirkung von Algenextrakten

🌱 Erhöhung der Keimrate bei Saatgut
🌿 Förderung der Wurzelbildung und -entwicklung (besonders bei Jungpflanzen und Stecklingen)
🌾 Stimulation des vegetativen Wachstums
💪 Erhöhte Stresstoleranz gegenüber abiotischen Faktoren (z. B. Hitze, Trockenheit, Salzstress)
🌸 Vermehrte Blütenbildung und besserer Fruchtansatz
🍇 Verbesserung der Fruchtqualität (z. B. Farbe, Zuckergehalt, Haltbarkeit)
🛡️ Erhöhte Widerstandskraft gegen Krankheiten und Schädlinge

Braunalge Ascophyllum nodosum als Biostimulanz in der Landwirtschaft

Braunalge Ascophyllum nodosum

Pflanzenextrakte

Pflanzenextrakte enthalten eine Vielzahl sekundärer Inhaltsstoffe wie Flavonoide, Saponine, ätherische Öle oder natürliche Phytohormone

Sie stammen aus unterschiedlichsten Pflanzenarten und sollen in der Pflanze u. a. die Abwehrkräfte stärken, die Blütenbildung fördern oder die Toleranz gegenüber Stress verbessern.

Die Wirksamkeit von Pflanzenextrakten ist stark abhängig von der verwendeten Pflanzenart, dem Erntezeitpunkt, der Extraktionsmethode und der anschließenden Aufbereitung. Im Vergleich zu Algenextrakten sind viele Wirkungen noch nicht wissenschaftlich eindeutig belegt, zeigen jedoch in der Praxis interessante Effekte.

Verwendet werden unter anderem: Acker-Schachtelhalm, Baldrian, Basilikum, Beinwell, Bitterholz, Borretsch, Brennnessel, Efeu, Johannisbrotbaum, Kamille, Knoblauch, Lavendel, Lebermoose, Löwenzahn, Meerrettich, Mistel, Pechnelke, Rainfarn, Rhabarber, Ringelblume, Salbei, Schafgarbe, Schwarzer Holunder, Thymian, Wacholder, Wermut, Zwiebel

 

Potentielle Wirkung von Pflanzenextrakten

🌿 Pflanzenstärkung und Vitalisierung
🌸 Förderung der Blüten- und Fruchtentwicklung
🧴 Antioxidative Effekte (v. a. bei Saft-Nebenprodukten)
🦟 Repellente Wirkung gegen Schädlinge
🛡️ Allgemeine Stressresistenz

Brennessel

Extrakte aus Brennesseln sollen die Abwehr gegen Schädlinge stärken

Huminstoffe

Biostimulanzien aus Leonardit und anderen organischen Quellen

Der Begriff Humus steht im allgemeinen Sprachgebrauch oft synonym für Bodenfruchtbarkeit. Aus fachlicher Sicht beschreibt er jedoch die Gesamtheit der abgestorbenen, organischen Substanz im Boden – also alle nicht-lebenden, kohlenstoffhaltigen Bestandteile pflanzlicher und tierischer Herkunft.
Ein wesentlicher Teil dieser organischen Substanz wird nach mikrobiellem Abbau und chemischer Umwandlung zu sogenannten Huminstoffen. Diese stellen die erste stabile Stufe der Humusbildung dar und zeichnen sich durch komplexe, großmolekulare Strukturen aus.

Die drei Fraktionen der Huminstoffe

Huminstoffe werden klassisch in drei Hauptfraktionen eingeteilt – basierend auf ihrer Löslichkeit in Wasser bei verschiedenen pH-Werten:
• Humine
→ unlöslich in Wasser, sowohl in saurer als auch in alkalischer Lösung
→ stark an Minerale gebunden, bilden die stabilste organische Fraktion im Boden
• Huminsäuren
→ löslich in alkalischer Lösung, aber unlöslich in saurer Lösung
→ besonders relevant für Biostimulanzien aufgrund ihrer Reaktivität und Bindungskapazität
• Fulvosäuren
→ löslich in Wasser bei allen pH-Werten
→ kleinere Moleküle mit hoher biologischer Aktivität und Mobilität im Boden
Diese drei Fraktionen sind keine reinen Stoffe, sondern heterogene Gruppen hochkomplexer organischer Verbindungen.

 

Wirkung auf den Boden

Huminstoffe spielen eine zentrale Rolle bei der Verbesserung der Bodenqualität. Ihre vielfältigen physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften wirken sich positiv auf die Bodenfruchtbarkeit aus:

Huminstoffe spielen eine zentrale Rolle bei der Verbesserung der Bodenqualität. Ihre vielfältigen physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften wirken sich positiv auf die Bodenfruchtbarkeit aus:

  • Förderung des Bodenlebens
    → Huminstoffe dienen Mikroorganismen als Energie- und Kohlenstoffquelle und fördern so die mikrobielle Aktivität.
  • Verbesserung der Bodenstruktur
    → Durch die Bildung von Bodenaggregaten wird die Krümelstruktur verbessert, was die Durchlüftung und Wasserführung begünstigt.
  • Erhöhung der Verfügbarkeit von Makro- und Mikronährstoffen
    → Huminstoffe binden Nährstoffe im Boden und halten sie pflanzenverfügbar, wodurch Verluste durch Auswaschung reduziert werden.
  • Steigerung der Kationenaustauschkapazität (KAK)
    → Die negativ geladenen Huminsäuren können positiv geladene Ionen wie Kalium, Calcium oder Magnesium binden und damit deren Austauschbarkeit erhöhen.
  • Erhöhung der Wasserhaltekapazität
    → Huminstoffe erhöhen die Fähigkeit des Bodens, Wasser zu speichern und verfügbar zu halten – besonders wertvoll bei leichten Böden oder Trockenphasen.
  • Ausgleich des pH-Wertes
    → Huminstoffe wirken puffernd und helfen, starke pH-Schwankungen im Boden abzumildern.
  • Verbesserung von salz- und schadstoffbelasteten Standorten
    → Durch die Bindung von Schadstoffen (z. B. Schwermetallen) und toxischen Ionen tragen Huminstoffe zur Regeneration belasteter Böden bei.

 

Wirkung auf die Pflanze

Auch auf die Pflanzenentwicklung haben Huminstoffe nachweislich positive Effekte:

  • Verbesserung der Nährstoffaufnahme
    → Huminstoffe fördern die Durchlässigkeit der Zellmembranen und erleichtern so die Aufnahme von Nährstoffen durch die Wurzeln.
  • Erhöhung der Resistenz gegenüber abiotischem Stress
    → Pflanzen, die mit Huminstoffen behandelt wurden, zeigen eine höhere Toleranz gegenüber Trockenheit, Hitze, Kälte oder Salzstress.
  • Förderung des Wurzelwachstums
    → Huminsäuren regen die Bildung von Feinwurzeln und Wurzelhaaren an, was die Effizienz der Wasser- und Nährstoffaufnahme verbessert.
  • Allgemeine Wachstumsstimulation
    → Durch ihre hormonähnliche Wirkung beeinflussen Huminstoffe Zellteilung und -streckung positiv.
  • Erhöhung der Krankheitsresistenz
    → Indirekt verbessert sich durch gestärkte Pflanzenvitalität auch die Abwehrkraft gegen bestimmte Krankheitserreger.
  • Verbesserung der qualitativen Eigenschaften der Ernteprodukte
    → Beobachtet werden unter anderem eine intensivere Färbung, höherer Zuckergehalt, verbesserte Lagerfähigkeit und ein ausgewogenerer Nährstoffgehalt.
Nährstoffe für Winterraps gezielt optimieren

Bei der Förderung von Braunkohle fällt auch Leonardit an, ein wertvoller Rohstoff für huminstoffhaltige Biostimulanzien.

Aminosäuren & Peptide

Aminosäuren sind elementare Bausteine des Lebens.

In Pflanzen sind 20 proteinogene Aminosäuren an nahezu allen physiologischen und biochemischen Prozessen beteiligt. Ihre wichtigste Funktion besteht in der Bildung von Proteinen, die in Struktur, Stoffwechsel und Enzymfunktion eine zentrale Rolle spielen. Darüber hinaus wirken viele Aminosäuren auch direkt als biologisch aktive Moleküle, z. B. als Wachstumsregulatoren, Osmoprotektoren oder Chelatoren.

 

Chemische Eigenschaften

Aminosäuren sind organische Verbindungen, die sowohl eine Carboxylgruppe (–COOH) als auch eine Aminogruppe (–NH₂) enthalten. Diese Struktur ermöglicht ihnen, sowohl mit Nährstoffen als auch mit biologischen Molekülen zu interagieren – etwa durch Chelatbildung oder als Signalmoleküle im pflanzlichen Stoffwechsel.

 

Unterschiedliche Aminosäuren und deren Wirkung

Aminosäure Funktion / Wirkung
Prolin, Hydroxyprolin Schutz bei Trockenstress, Regulation des Wasserhaushalts, Antioxidans gegen Sauerstoffradikale
Glutaminsäure Wachstumspromotion, Chelatorwirkung, Keimstimulation
Asparaginsäure Stimulation der Keimung
Cystein, Glycin, Lysin, Histidin, Glutaminsäure Chelatorwirkung für Mikronährstoffe (z. B. Eisen, Zink)
Serin, Tryptophan, Valin Vorläufer von Pflanzenhormonen (z. B. Auxinen)
Alanine, Arginin Verbesserung der Kältetoleranz
Lysin, Methionin, Phenylalanin Keimstimulation, Qualitätseffekte

Zusätzlich sind Glycin und Prolin an der Stabilisierung von Zellstrukturen und am Schutz vor oxidativem Stress beteiligt. Die antioxidative Wirkung spielt vor allem bei hoher Sonneneinstrahlung, Trockenheit und anderen Stressbedingungen eine wichtige Rolle.

 

Wirkung auf die Pflanzen

🧲 Verbesserung der Nährstoffaufnahme, teils durch Chelatbildung
💧 Regulation des Wasserhaushalts und Schutz vor abiotischem Stress
🌱 Stimulation des Wurzelwachstums und der Keimung
🌿 Förderung des vegetativen Wachstums
🍃 Reduktion von Nitratansammlungen in Blättern
🛡️ Erhöhung der Krankheits- und Kältetoleranz
🍎 Qualitätssteigerung (z. B. durch hormonelle Vorläuferfunktion)

Arginin kann die Kältetoleranz von Kulturpflanzen verbessern

Chitosan

Chitosan, ein natürlich vorkommendes Biopolymer

Chitosan ist ein natürlich vorkommendes Biopolymer, das vor allem aus dem Chitin der Schalen von Krebstieren (z. B. Garnelen, Krabben) gewonnen wird. Chitin ist nach Cellulose eines der am weitesten verbreiteten organischen Materialien der Erde. Durch chemische oder enzymatische Umwandlung entsteht daraus Chitosan – ein Stoff, der sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Medizin und Lebensmittelindustrie eingesetzt wird.

In der Landwirtschaft zählt Chitosan zu den nicht-nährstoffbasierten Biostimulanzien mit Wirkung auf die Pflanzengesundheit.

 

Wirkung auf die Pflanze

  • Erhöhung der Krankheitsresistenz durch Aktivierung pflanzeneigener Abwehrsysteme
  • Reduktion des Befallsdrucks durch pilzliche und bakterielle Pathogene
  • Förderung der Wurzelentwicklung und Verbesserung des Wasser- und Nährstoffhaushalts
  • Steigerung der Photosyntheseleistung durch Chlorophyllbildung
  • Verbesserung der Erntequalität (z. B. Haltbarkeit, Gehalt an sekundären Inhaltsstoffen)

Chitosan wird industriell hauptsächlich aus Krustentierabfällen hergestellt

Mikroorganismen

Mikroorganismen sind mikrobielle Biostimulanzien, die natürliche Prozesse stimulieren

Mikrobielle Biostimulanzien enthalten lebende Mikroorganismen, die gezielt eingesetzt werden, um das Pflanzenwachstum, die Nährstoffverfügbarkeit und die Stressresistenz zu fördern. Anders als klassische Pflanzenschutzmittel wirken sie nicht direkt gegen Krankheitserreger, sondern stimulieren natürliche Prozesse im Boden und in der Pflanze.

Zu den wichtigsten Gruppen zählen:

  • Nützliche Bakterien, z. B. Bacillus, Azospirillum, Rhizobium, Pseudomonas
  • Pilze, insbesondere Mykorrhizapilze (z. B. Glomus spp.) und Trichoderma spp.

 

Wirkung auf die Pflanzen

Die Wirkungen mikrobieller Biostimulanzien beruhen auf verschiedenen Mechanismen:

    • Verbesserte Nährstoffaufnahme
      → z. B. durch Mobilisierung von Phosphat, Fixierung von Luftstickstoff oder Freisetzung gebundener Mikronährstoffe
    • Wachstumsförderung durch Pflanzenhormone
      → viele Bakterien produzieren Auxine, Cytokinine oder Gibberelline, die das Wurzelwachstum und die Vitalität der Pflanze steigern
    • Verbesserung der Bodenstruktur und Rhizosphärenbiologie
      → Mykorrhizapilze vergrößern das effektive Wurzelvolumen, fördern Aggregatbildung und verbessern die Wasserverfügbarkeit
    • Verdrängung von Krankheitserregern (Antagonismus)
      Trichoderma oder bestimmte Bakterien besiedeln Wurzelräume und verhindern so die Etablierung pathogener Mikroorganismen
    • Induktion pflanzeneigener Abwehrmechanismen
      → Mikroorganismen können systemische Abwehrreaktionen auslösen (ähnlich wie Chitosan)
Knöllchen

Knöllchenbakterien wie Rhizobium fixieren in Symbiose elementaren Stickstoff aus der Luft und machen ihn Pflanzen verfügbar – ganz ohne Mineraldünger

Anorganische Materialien

Neben organischen Biostimulanzien kommen auch anorganische Stoffe zum Einsatz, die keine direkte Nährstofffunktion haben, aber pflanzenphysiologische Prozesse gezielt stimulieren. Sie wirken vor allem über physikalisch-chemische Effekte auf Zellwände, Membranen und Signalprozesse.

Typische Vertreter:

  • Siliziumverbindungen (z. B. Kaliumsilikat)
  • Selen, Kobalt (in sehr niedriger Dosierung)
  • Gesteinsmehle oder spezielle Tonmineralien (z. B. Bentonit, Zeolith)

 

Wirkung auf die Pflanzen bzw. Boden

  • Erhöhung der Widerstandsfähigkeit gegen abiotischen Stress (Trockenheit, Hitze, Salz, Schwermetalle)
  • Stärkung der Zellstruktur (z. B. Silizium)
  • Verbesserung der Bodenstruktur (Tonmineralien)
  • Ergänzung des antioxidativen Schutzsystems (Selen, Silizium)