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Autor
Dr. Marc Frenger
Leiter Marketing
Erscheinungsdatum
22/02/2024

Im Bereich des Pflanzenschutzes werden oft verschiedene Produkte kombiniert. Dazu gehören Fungizide, Herbizide, Wachstumsregler, Insektizide und Biostimulanzien, die miteinander gemischt werden. Zusätzlich werden Mikronährstoffe, AHL, Bittersalz und andere Zusätze und Hilfsstoffe hinzugefügt. Gleichzeitig werden zunehmend die Wassermengen pro Hektar reduziert. Ein umfassendes Verständnis von Tankmischungen ist entscheidend, um Probleme zu vermeiden und die Ernteerträge zu steigern.

 

Einleitung 


Tankmischungen können den Betriebsablauf positiv beeinflussen. Der Anwender kann enge Zeitfenster optimal nutzen, z.B. nach einem späten Vegetationsbeginn oder während eines kühlen und nassen Frühlings. Zu den Risiken zählen Verätzungen an den Kulturpflanzen sowie verstopfte Filter/Düsen und daraus resultierend verlängerte Standzeiten der Technik. Ebenfalls können sich verschiedene Wirkstoffe gegenseitig in ihrer Wirkung beeinträchtigen.

Demnach gibt es zwei Faktoren, die beim Anmischen verschiedener Wirkstoffe beachtet werden müssen:

  • Können Wirkstoffe in einer Tankmischung ausflocken und zum Verstopfen der Düsen/Filter führen?
  • Können Wirkstoffe sich in Ihrer Wirkung aufheben oder verstärken, sodass Kulturpflanzen geschädigt werden?

Gefahr der Ausflockung


Die Ausflockung von Wirkstoffen kann mehrere Risiken mit sich bringen. Zum einen kann es zu einem vorübergehenden Ausfall der Pflanzenschutzmittelspritze kommen und zum anderen kann die Wirkung durch eine Ausflockung vermindert werden.

Um die chemische Kompatibilität verschiedener Pflanzenschutzmittelwirkstoffe nachzuweisen, eignet sich der Eimertest:

Falls Sie eine neue Kombination ausprobieren oder unsicher sind, ist es ratsam, vorher einen kleinen Test durchzuführen, um mögliche Unverträglichkeiten oder Ausfällungen zu erkennen. Mischen Sie dazu eine kleine Menge der gewünschten Komponenten in dem Verhältnis, in dem es später in der Spritze erfolgen soll. Lassen Sie die Mischung einige Stunden stehen und prüfen Sie, ob sich Veränderungen zeigen. Es ist ratsam, Kunststoffeimer und einen Kunststoffschneebesen zu verwenden, da (rostiges) Metall das Ergebnis verfälschen kann. Verwenden Sie das gleiche Wasser, das auch in den Spritzentank kommt, und halten Sie sich an die vorgeschriebene Reihenfolge beim Mischen der Pflanzenschutzmittel. Achten Sie dabei auf Ausflockungen, Niederschläge, Verfärbungen oder ungewöhnliche Reaktionen. Treten solcheErscheinungen auf, sollten Sie die Mischung nicht verwenden und alternative Optionen in Betracht ziehen. Wenn sich die Mischung auch nach 30 Minuten nicht verändert, eignet sie sich für den Tank.

Wichtig: Stellen Sie hierbei sicher, dass die gleichen Bedingungen wie bei der Pflanzenschutzmittelapplikation herrschen. Dies schließt die Quelle und eine annähernd gleiche Wassertemperatur ein.

grundsätzliche regeln für tankmischungen:

  • Nehmen Sie sich Zeit: Das Rührwerk der Spritze sollte lange genug rühren, damit sich die Wirkstoffe  gut im Tank verteilen.
  • Beachten Sie die Gebrauchsanweisung: Als Hersteller haben wir Erfahrung mit der Kombination unterschiedlicher Wirkstoffe. Diese werden in Gebrauchsanweisungen unter dem Stichwort ‚Mischbarkeit‘ zusammengefasst. Dabei ist zu beachten, dass nicht alle denkbarenTankmischungen getestet werden können.
  • Wirkstoff ist nicht gleich Wirkstoff: Obwohl einige Produkte mit gleicher Anwendung den gleichen Wirkstoff enthalten, kann dieser unterschiedlich formuliert sein. Dadurch kann ein Wirkstoff in einer Tankmischung anders reagieren.
  • Ein Wirkstoff nach dem anderen: Es hat sich gezeigt, dass es negative Folgen haben kann, alle Komponenten zeitgleich in die Einspülschleuse zu schütten.
  • Wetterbedingungen beachten: Priorisieren Sie die einzelnen Maßnahmen. Vermeiden Sie insbesondere lange Standzeiten der Spritze. Produkte wie Blattdünger können auch noch bei weniger stabilen Wetterlagen appliziert werden.
  • Bienenverträglichkeit: Bienenverträgliche Produkte können durch eine Kombination mit anderen Produkten unverträglich sein.
  • Der Zusatz von AHL kann die Wirkung von blattaktiven Herbiziden verstärken, jedoch sollteeine Kombination mit Produkten, die einen Safener enthalten, vermieden werden; ebenso eine Kombination mit mehr als 10 % AHL und aggressiv formulierten Azolen
  • Ein entscheidendes Kriterium für die Wirksamkeit vieler Pflanzenschutzmittelist der pH-Wert?
    • Verlust der Wirkung einiger Wirkstoffe bei einem pH-Wert über 7; dies kann z.B. bei Graminiziden (Fusilade Max®) der Fall sein.
    • Feste ALS-Hemmer (Saracen® Max, Alliance®) lösen sich in der Regel besser bei leicht basischem pH-Wert
    • pH-senkend: Zitronensäure, schwefelsaures Ammoniak, Ethephon
    • pH-anhebend: borhaltige Mittel (Bor flüssig…)
    • Darüber hinaus gibt es pH-Stabilisatoren wie pH-Fix

Kompatibilität verschiedener Wirkstoffe:


Nicht alle Wirkstoffe sind miteinander verträglich, da sie sich gegenseitig in ihrer Wirkung beeinträchtigen können. Dies tritt zum Beispiel auf, wenn Wuchsstoffe und ALS-Hemmer gleichzeitig verwendet werden. Die Wirkungsweise synthetischer Auxine basiert auf unkontrolliertem Längenwachstum und massiver Zellstreckung, während ALS-Hemmer das Wachstum hemmen. Werden beide gleichzeitig eingesetzt, hebt sich ihre Wirkung auf. Ein ähnlicher Antagonismus tritt auf, wenn Wachstumsregulatoren, die bereits streckenden Internodien verkürzen sollen (Prohexadion, Trinexapac), gemeinsam mit Wuchsstoffen verwendet werden, insbesondere bei sonnigem Wetter. Doch wie verhalten sich die Wirkstoffe im Detail? Nachfolgend werden einige Mittel, die im Frühjahr im Getreide kombiniert werden, aufgeführt, und es ist wichtig, folgendes zu beachten:

  • Herbizide gegen Ungräser
  • Herbizide gegen Dikotyle
  • Wachstumsregulatoren
  • Fungizide
  • Blattdünger

Herbizide mit Herbiziden 


In der Praxis sind Tankmischungen aus verschiedenen Herbiziden erforderlich, um das Wirkungsspektrum zu erweitern oder die Leistung gegen Problemunkräuter /-gräser zu sichern. Mischungen von Herbiziden mit anderen Herbiziden, die zur gleichen Wirkstoffgruppe gehören,  sind in der Regel unproblematisch, z. B. ALS-Hemmer + ALS-Hemmer. Wenn Gräsermittel mit Brennern wie Carfentrazone gemischt werden, kann es zu geringerer Wirkung kommen, da Brenner das Gewebe der Ungräser (z. B. Acker-Fuchsschwanz) schädigen und den Transport der Gräserwirkstoffe in das Teilungsgewebe verringern.

 

Freigegebene Tankmischungen mit Gräserpartnern

Getreide:

Nach eigenen Erfahrungen sind sowohl gräserwirksame ALS- als auch ACC-Hemmer mit bis zu 1,0 l/ha Duplosan
® Super
ohne Wirkungsverluste mischbar. Dies gilt auch für die Kombination aus pinoxaden oder mesosulfuronhaltige Gräsermittel mit Pixie® Pack (1,0 l/ha Duplosan® Super & 0,1 l/ha Saracen® Delta).

Freigegebene Tankmischungen von zwei dikotylen Partnern:

Raps:

Herbizide mit Wachstumsreglern


Herbizide können in Tankmischungen mit Wachstumsreglern einen verkürzenden Effekt verstärken.

Dies kann auftreten, wenn ALS-Hemmer mit Gräserwirkung und Wachstumsregulatoren wie CCC, Trinexapac oder Prohexadion zusammen eingesetzt werden. Daher sollte die Ausbringung von mehr als 350 g/ha CCC (~ 0,5 l/ha Stabilan® 720) in Kombination mit mesosulfuron- oder pyroxsulamhaltigen Mittel vermieden werden, um eine zu starke Verzögerung der Entwicklung oder Pflanzenschäden zu verhindern. Es ist ratsam, mindestens eine Woche zwischen der Anwendung von ALS-Hemmern und Wachstumsregulatoren wie Trinexapac und Prohexadion abzuwarten. Eine Tankmischung von ALS-Hemmern, die nur gegen Dikotyle wirksam sind, und Wachstumsregulatoren ist unproblematisch. In jedem Fall empfiehlt es sich, ALS-Granulate vorzulösen und als erstes in die Spritzbrühe zu geben. Eine Tankmischung von Wuchsstoffen und CCC ist möglich, insbesondere bei wüchsigem Wetter. In Kombination von Trinexapac und Wuchsstoffen sollten diese zuerst ausgebracht werden. Nach einem Abstand von vier bis fünf Tagen können dann die Wachstumsregulatoren angewendet werden. Es ist keinesfalls ratsam, Ethephon-haltige Mittel und Wuchsstoffe zu kombinieren. Um Ertragseinbußen zu vermeiden, wird ein Behandlungsabstand von einer Woche empfohlen.

 

Freigegebene Tankmischungen:

Wachstumsregler mit Fungiziden und Herbiziden


Mischungen von Wachstumsreglern und Fungiziden sind gängige Maßnahmen. Dabei sollte die wachstumsregulierende Wirkung von Metconazol oder Tebuconazol berücksichtigt werden. Werden diese beiden Wirkstoffe verwendet, sollte die Menge der Wachstumsregulatoren mit einer Gibberellinsynthese-hemmenden Wirkung (CCC, Prohexadion, Trinexapac) um 30 % reduziert werden. Die Kombination von Cyprodinil-haltigen Mitteln und Ethephon ist nicht möglich. Vorsicht ist geboten, wenn Herbizide zusammen mit Wachstumsreglern und Fungiziden in einer Tankmischung ausgebracht werden. Tebuconazol verzögert den Abbau von Graminiziden, was zu phytotoxischen Effekten an den Kulturpflanzen führen kann. Spiroxamine beschleunigen das Eindringen von Herbiziden und Azolen. Dadurch kann die Wirkung der Herbizide unterstützt werden. Allerdings kann es auch zu Verätzungen kommen, die zu einer verringerten Wirkung der Gräserherbizide führen können. Daher wird von Mischungen mit Gräserherbiziden abgeraten.

 

Freigegebene Tankmischung:

Tankmischungen mit Spurenelementen 


Mikronährstoffe sind in Form von Salzen und Chelaten erhältlich, mit Ausnahme von Bor und Molybdän. Chelate können aufgrund ihrer Ladung bei Trockenheit leichter ins Blattinnere eindringen. Daher können Pflanzen sie auch bei Trockenheit aufnehmen, während Salze die Cuticula nur schwer durchdringen können. In der Pflanze wiederum werden Spurenelemente aus Salzen schneller als solche aus Chelaten verteilt. Daher empfiehlt es sich, Salze vor allem in frühen Anwendungsphasen mit höheren Mengen auszubringen, sofern keine kritischen Mischungen mit Pflanzenschutzmitteln erforderlich sind. Es sollte jedoch beachtet werden, dass mehr als 5,0 kg/ha Bittersalz oder 2,0 kg/ha Mangansulfat (in 200 l/ha Spritzbrühe) nicht in Kombination mit Pflanzenschutzmitteln gemischt werden sollten.

Auf Tankmischungen oder eine gleichzeitige Anwendung von Herbiziden und Mikronährstoffen sollte verzichtet werden. Der Grund dafür liegt darin, dass Mangan, Zink, Kupfer und Eisen Bestandteile von Enzymen wie der Cytochrom-Monooxygenase (Cyt-MOG) sind, die den Abbau von Wirkstoffen fördern. Wenn sich Spurenelemente im Pflanzenspross anreichern, kann dies zu einer Verringerung der Wirkung der Herbizide führen, möglicherweise sogar bis hin zur Unwirksamkeit.

Um Unkräuter wie Acker-Fuchsschwanz, Weidelgräser oder Trespen effektiv zu bekämpfen, ist es ratsam, sie idealerweise acht bis zehn Tage vor einer Blattdüngung zu behandeln. Dies gewährleistet, dass die Wirkung von ALS- und ACC-Hemmern nicht beeinträchtigt wird.

Tankmischungen mit Biostimulanzien


Pflanzen-Biostimulanzien bestehen häufig aus Aminosäuren, Huminsäuren, Fulvosäuren, natürlichen chemischen Verbindungen oder Pflanzen- und Seealgenextrakten sowie aus Mikroorganismen. Besondere Vorsicht ist bei Mischungen mit Herbiziden geboten:

  • Chlorhaltige Produkte nicht mit bakterienbasierten Biostimulanzien kombinieren
  • Grundsätzlich: Aufgrund der Vielzahl der verfügbaren Produkte ist es sinnvoll, Pflanzen-Biostimulanzien bei der ersten Anwendung allein auszubringen, um ihre Wirkung besser beurteilen zu können.
Einspülschleuse einer Pflanzenschutzmittelspritze

Einspülschleuse einer Pflanzenschutzmittelspritze mit Sealicit

Über den Autor:

Dr. Marc Stefan Frenger, Leiter Marketing

Dr. Marc Stefan Frenger ist promovierter Biologe. Nach Stationen als europäischer Zulassungsmanager bei forschenden Pflanzenschutzherstellern verantwortet er seit März 2021 das Marketing der Nufarm Deutschland.

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